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FR: Protest gegen Atomlager



Frankfurter Rundschau, 26.09.05

> Protest gegen Atomlager
> Demonstration in Südlothringen

Metz · Mit einem Protestmarsch und anderen Aktionen haben Atomkraftgegner 
in der südlothringischen Kleinstadt Bar-le-Duc am Wochenende die bislang 
größte Demonstration gegen eine geplante Lagerstätte für hoch 
radioaktiven Müll auf die Beine gestellt. Vor der Verwaltung des 
Departements Maas deponierte die Gruppe "Bure-Stop" eine Petition mit 
fast 50 000 Unterschriften von Bürgern der Region, die ein lokales 
Referendum über das Projekt im nahen Dörfchen Bure fordern. Später 
türmten Demonstranten 40 Säcke mit Erde vor der Präfektur auf: Aus so 
vielen Departements Frankreichs waren Demonstranten-Delegationen 
angereist. 5000 Protestierer legten sich zu einem Menschenteppich auf die 
Straße.

Die geplante Deponie in Bure ist zentraler Bestandteil der französischen 
Atompolitik. Wie Deutschland hat auch Frankreich die Lagerung des über 
mehrere zehntausend Jahre strahlenden Mülls nicht gelöst. Im Auftrag der 
Regierung prüft Andra, die Nationale Agentur für die Behandlung 
radioaktiver Abfälle, in der 100-Seelen-Gemeinde Bure, ob die dortigen 
Tonschichten für ein Endlager geeignet sind. Rund 450 Millionen Euro hat 
Paris bereits in dieses Forschungslabor gesteckt. Im Sommer sprach die 
Andra in einer vorläufigen Studie von der "prinzipiellen Machbarkeit". 
2006 steht ein Grundsatzbeschluss im französischen Parlament an.

Kritiker werfen der Regierung und der Nuklearindustrie vor, die 
Entscheidung für die Lagerstätte in Lothringen längst getroffen zu haben. 
Corinne Francois von "Bure-Stop" sagt, der Standort bei Bure berge große 
Risiken. So könnten unterirdische Wasservorkommen verseucht werden. 
Francois verweist zudem auf geologische Verwerfungen und die Gefahr von 
Erdbeben. In der Tat wurde Ostfrankreich in den vergangenen Jahren 
mehrfach von Erdbeben erschüttert.

Endlager dienten nur der Absicherung der weiteren atomaren 
Stromerzeugung, so "Bure-Stop". Die Bürgerinitiativen fürchten zudem, 
dass eine Deponie in Lothringen die Anlieferung strahlender Abfälle auch 
aus dem Ausland vorbereiten könnte. Die Demonstranten in Bar-le-Duc 
wurden denn auch von Atomkraftgegnern aus Belgien, Deutschland und der 
Schweiz unterstützt.

Öffentliche Anhörungen zu Bure haben aus Sicht von Corinne Francois 
lediglich einen "Alibi-Charakter": Diese "PR-Aktionen" würden von der 
Nuklearindustrie gemanagt. Die Gegner fordern stattdessen ein Referendum 
in der Region. Parlament und Verwaltung des Departements Maas lehnen eine 
solche regionale Volksabstimmung mit dem Argument ab, das Projekt sei von 
nationaler Bedeutung. Karl-Otto Sattler