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HN-St: Störsender gegen Terroristen



Heilbronner Stimme, 16.09.05

> Störsender gegen Terroristen

Die deutschen Atomkraftwerke sollen mit Störsendern und Nebeltarnung 
besser vor Terroranschlägen aus der Luft geschützt werden. Das 
Bundesumweltministerium verständigte sich nach eigenen Angaben mit den 
Betreibern der Kraftwerke auf ein Konzept und setzte strenge Auflagen 
durch. Damit könne "die Wahrscheinlichkeit von wirksamen Treffern durch 
terroristische Flugzeugangriffe signifikant gesenkt werden", teilte 
Ministeriumssprecher Michael Schroeren am Freitag in Berlin mit.
Der Energiekonzern EnBW bestätigte als Betreiber der Meiler in 
Philippsburg (Kreis Karlsruhe) und Neckarwestheim, es gebe eine 
Verständigung mit dem Ministerium. Die Vernebelung der Anlagen sei ein 
Bestandteil der Maßnahmen. Die baden-württembergische Umweltministerin 
Tanja Gönner (CDU) forderte von der Bundesregierung "sinnvolle Vorhaben", 
um die Vorsorge zu optimieren.

Das Konzept ist eine Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 
2001 in New York. Mit Störsendern soll verhindert werden, dass ein 
Verkehrsflugzeug über einem Atomkraftwerk mit Hilfe von 
satellitengestützten Navigationssystemen zum Absturz gebracht wird. Die 
Kraftwerksbetreiber hatten eine Tarnung mit künstlichem Nebel 
vorgeschlagen.

"Die Störsender sind auf unser Drängen hin Bestandteil des Konzepts 
geworden", sagte Schroeren. Die Betreiber hätten die Anforderungen der 
Bundesatomaufsicht akzeptiert. Sie würden nun die Genehmigung formell 
beantragen. Das System werde allerdings keinen absoluten Schutz bieten, 
jedoch das Risiko senken.

Nach Angaben des Umweltressorts wollten die Betreiber ursprünglich die 
Pläne mit dem Land Niedersachsen, das Trägerin eines Pilotverfahrens am 
Atomkraftwerk Grohnde ist, ohne förmliche Genehmigung umsetzen. Das 
Ministerium von Jürgen Trittin (Grüne) hatte ihrem "Tarnkonzept" nur 
zustimmen wollen, wenn die Wirksamkeit nachgewiesen werde. Es hatte auch 
bemängelt, dass die Betreiber keine Vorkehrungen gegen die Gefahr 
mehrfacher Anflüge vorsahen, bevor Abfangjäger eintreffen können. 
Normalerweise gilt über Kraftwerken ein Überflugverbot.

Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" hatte am Freitag über die Abmachung 
berichtet. "Wir werden so schnell wie möglich an die Umsetzung gehen", 
sagte die Sprecherin von e.on-Kernkraft, Petra Uhlmann. Die Atomindustrie 
soll laut dem Bericht die Störsender installieren und die Kosten von 
Installation, Betrieb und Wartung übernehmen. Der Staat sei zuständig für 
die Störung der Navigationssysteme in der Umgebung der Kraftwerke. (dpa)

16.09.2005 15:51