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dpa: Philippsburg - Block II wieder in Betrieb



dpa, 18.12.01

> Philippsburg
> Block II wieder in Betrieb

Philippsburg - Nach mehr als zwei Monaten Stillstand ist der Block II 
im Atomkraftwerk Philippsburg am Montag wieder angefahren worden. Wie 
die Energie Baden-Württemberg (EnBW) als Betreiberin des Kraftwerks 
mitteilte, dauerte der Anfahrprozess am Nachmittag noch an. Wann der 
durch eine Pannen-Serie ins Gerede geratene Atomreaktor wieder ans 
Stromnetz geschaltet wird, blieb offen. Ursprünglich war geplant, dass 
Philippsburg II spätestens im Laufe des Dienstags wieder seine volle 
Leistung bringt. 

Auf Drängen von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die 
Grünen) war Philippsburg II am 8. Oktober abgeschaltet worden. Zuvor 
waren schwerwiegende Mängel im Sicherheitssystem der Anlage 
festgestellt worden. Drei von vier Sicherheits-Flutbehälter wiesen 
zwei Wochen lang falsche Borsäure-Konzentrationen auf, ohne dass dies 
den Mitarbeitern aufgefallen und von ihnen gemeldet worden wäre. 
Später fand das Bundesumweltministerium sogar heraus, dass es sich 
dabei nicht um einmalige Abweichungen von den Vorschriften gehandelt 
hat, sondern dass dieses Vorgehen seit 17 Jahren praktiziert worden 
war. Bei einem Störfall hätte der Reaktor deshalb womöglich nicht 
beherrscht werden können. 

Die Pannen-Serie hatte weit reichende Konsequenzen: Wenige Tage später 
traten zwei Vorstandsmitglieder der EnBW zurück. Außerdem wurden der 
Leiter des Kraftwerksblocks II sowie ein Schichtleiter beurlaubt. Die 
Landtagsopposition forderte zudem Konsequenzen in der baden-
württembergischen Atomaufsicht. Landesumweltminister Ulrich Müller 
(CDU) geriet stark unter Drück, blieb aber im Amt. Müller habe die 
Vorgänge in Philippsburg zunächst falsch eingeschätzt und den Landtag 
nicht rechtzeitig informiert, lautete der Vorwurf. 

In der Kritik steht auch der TÜV Süddeutschland, der im Laufe der 
Affäre eingestehen musste, die Pannen-Serie zunächst zu niedrig 
eingeordnet zu haben. Das Bundesumweltministerium forderte die 
Landesaufsicht daher Ende vergangener Woche erneut dazu auf, den 
Sachverständigenauftrag mit dem TÜV zu kündigen. Die Krise habe aber 
deutlich gezeigt, dass es Defizite nicht nur bei der EnBW und dem TÜV 
gegeben habe, sondern auch im Landesumweltministerium, heißt es in 
einer Pressemitteilung des Trittin-Ministeriums.

dpa/lsw