HN-St: "Wir werden aus dem Urteil des VGH lernen"
Heilbronner Stimme, 17.12.01
> "Wir werden aus dem Urteil des VGH lernen"
Von Reto Bosch
"Wir wollen unsere letzte Chance nicht aus der Hand geben." Der
Gemmrigheimer Gemeinderat Jörg Frauhammer sprach für die Mehrheit seiner
Ratskollegen, die im Rechtstreit um das GKN-Zwischenlager ein weiteres
Kapitel aufgeschlagen haben. Das Gremium gibt sich kämpferisch.
Bürgermeisterin Monika Tummescheit räumt der Beschwerde dagegen keine
Chance ein.
Nach der Niederlage vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim (VGH) hatte
der Gemmrigheimer Gemeinderat nun zu entscheiden, ob er den Kampf gegen
das geplante Zwischenlager juristisch weiterführen will.
Ohne Gegenstimme, bei insgesamt fünf Enthaltungen, folgte das Gremium der
Empfehlung des Rechtsbeistands: "Die Gemeinde legt zur Fristwahrung
Nichtzulassungsbeschwerde gegen das Urteil des VGH ein."
"Wir werden aus dem Urteil des VGH lernen", sagte Jörg Frauhammer. Es sei
nur die erste Etappe verloren gegangen. Nicht hinzunehmen sei, dass die
Planungshoheit der Gemeinde als weniger schützenswert angesehen werde wie
die des GKN.
Ein Grund des VGH, die Veränderungssperre für nichtig zu erklären, war
die fehlende Konkretisierung der Ziele im Bebauungsplan "Bild" . Dazu
Frauhammer: Die Detailplanung sei im weiteren Verfahren vorgesehen
gewesen. Diese Meinung hätten auch die Rechtsberater der Gemeinde
vertreten. Aber:
"Diese Auffassung teilte das Gericht nicht." Es habe keine nach Erlass
der Veränderungssperre getätigten Planungen, Absichtserklärungen und
Maßnahmen berücksichtigt.
"Das hat uns kalt erwischt."
Viele vom VGH genannten Gründe seien für die Gemeinde nicht neu, sondern
auch Ergebnis der Befragung der Träger öffentlicher Belange. " Insofern
müssen wir uns vorwerfen, nicht die gewünschte Reihenfolge eingehalten zu
haben."
Inzwischen seien die Planungen sehr viel konkreter geworden. Frauhammer
wies darauf hin, dass angesichts der aktuellen Entwicklungen ein früherer
Atomausstieg möglich sei.
Gerade deshalb müsse es der Gemeinde gestattet werden, das Areal zu
überplanen.
"Ich kann mir nicht vorstellen, mit welcher Begründung wir eine
Nichtzulassungsbeschwerde auch nur annähernd realistisch positiv
einschätzen sollten", sagte Bürgermeisterin Monika Tummescheit. Sie halte
eine Fortsetzung des Rechtsverfahrens für nicht verantwortbar. "Und um
das nochmals deutlich auszudrücken: Ich lehne jede Verantwortung für ein
weiteres negatives Urteil ab."
Der Empfehlung, Beschwerde einzulegen, könne sie also auf keinen Fall
zustimmen. "Weil ich mir allerdings nicht den Vorwurf machen lassen
möchte, dass ich gegen den Willen einiger Gemeinderäte agiere, werde ich
mich der Stimme enthalten."
Politisch sei sie nach wie vor gegen die Zwischenlager, die den
Standortgemeinden zugemutet würden. Auf rechtlichem Wege sei es für
Gemmrigheim aber unmöglich, das Lager zu verhindern.
Nach Angaben von Monia Tummescheit belaufen sich die Anwaltskosten der
Gemeinde bisher auf 150 000 Mark. Nicht enthalten seien die Gerichts- und
Gegenanwaltskosten. "Diese Summe und noch alle kommenden Beträge müssen
von den gesamten Steuerzahlern in unserer Gemeinde aufgebracht werden."
Kommentar: "Im Spagat"
17.12.2001