HN-St: Im Spagat (Kommentar)
Heilbronner Stimme, 17.12.01
> Im Spagat
Von Reto Bosch
Die Gemeinde Gemmrigheim nähert sich dem Spagat. Die Sehnen sind aufs
äußerste gespannt.
Bei der nächsten Bewegung drohen sie zu reißen. Und eine Operation würde
viel Geld kosten.
Weder Bürgermeisterin Monika Tummescheit noch Gemeinderat und schon gar
nicht die Mehrheit der Bürger wollen ein Zwischenlager auf dem Gelände
des GKN. Auf dieser Position steht das eine Bein.
Das andere rutscht auf der Frage nach außen, wie weit die Kommune
rechtlich noch gehen kann, ohne sich den Vorwurf der Geldverschwendung
gefallen lassen zu müssen.
Die Chancen jedes weiteren juristischen Schrittes sinken, dafür steigen
Prozess- und Anwaltskosten - die über Steuergelder von den Bürgern
bezahlt werden müssen.
Gemmrigheim hat gut daran getan, sich zu wehren. Aber das ist nur so
lange richtig, wie der Einsatz von Geld in einem vernünftigen Verhältnis
zu den Chancen steht. Trotz kann gewichtige juristische Argumente nicht
ersetzen.
Das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Mannheim hätte deutlicher nicht
ausfallen können. Die Anwälte der Gemeinde haben in ihrer Empfehlung ganz
bewusst den Passus "zur Fristwahrung" aufgenommen.
Das verschafft den Rechtsvertretern mehr Zeit bei der Suche nach Hebeln -
die sie jetzt wohl noch nicht haben. Bleibt diese erfolglos, muss der
Gemeinderat auch "Stopp" sagen können - wenn dies in der Bevölkerung auch
nicht gut ankommt.
Monika Tummescheit nannte viele gute Gründe, warum sie weiteres
juristisches Vorgehen für sinnlos hält. Sie hat konsequent argumentiert.
Zu einem konsequenten Handeln wäre aber ihre Gegenstimme erforderlich
gewesen.
17.12.2001