BietZ: Vom Landwirt zum Energiewirt
Bietigheimer Zeitung, 14.12.01
> Vom Landwirt zum Energiewirt
INGERSHEIM (wi). "Wenn's unter dem Scheunendach nicht so gut läuft,
müssen wir halt schauen, dass wenigstens auf dem Dach etwas
hereinkommt", sagt Albert Krauter. Der Landwirt vom Birkenhof zwischen
Ingersheim und dem Husarenhof wird jetzt zum Energiewirt: Auf seinem
Dach produzieren 84 Solarmodule rund 12000 Kilowattstunden Strom im
Jahr.
Die Photovoltaik-Anlage ist eine von vier, die jetzt bei Landwirten im
Landkreis Ludwigsburg installiert worden sind. Die Initiative dazu
ging vom Kreisbauernverband aus. Vorsitzender Karl Schmid aus Korntal-
Münchingen war vor einiger Zeit zu Besuch bei den Krauters und hat die
Idee vorgestellt. "Ich war gleich dafür", sagt Albert Krauter. "Jeden
Tag sehe ich die Dampfwolke von Neckarwestheim. Da muss man doch mal
mehr machen, als nur zu demonstrieren."
Die Idee des Kreisbauernverbands soll Schule machen: Die Landwirte
haben auf ihren Scheunen viel Platz für große Solaranlagen. Die jetzt
installierten Anlagen im Landkreis sollen andere dazu anregen, sich
ebenfalls an dem Projekt zu beteiligen.
Preis günstiger Was bisher abschreckte, ist der hohe Preis. Albert
Krauter hat für seine Anlage rund 150 000 Mark (77 500 Euro) ohne
Mehrwertsteuer investiert. "Das liegt fünf bis zehn Prozent unter dem
normalen Preis", sagt Heinrich Blasenbrei-Wurtz, der zusammen mit
Krauter und zwei Praktikanten die Anlage aus dem Scheunendach
installiert.
Der Kreisbauernverband sammelt die Bestellungen. So kommen die
Landwirte günstiger an die Solarmodule. Und es lohnt sich für die
Bauern, wenn auch erst nach einiger Zeit. Nach knapp 13 Jahren hat
Krauter die Investition wieder hereingeholt. Danach kann er mit der
Anlage sogar Geld verdienen.
Man könne in unseren Breiten von einem durchschnittlichen Jahresertrag
von 850 Kilowattstunden pro Kilowatt Gesamtleistung ausgehen, rechnet
der Besigheimer Ingenieur Blasenbrei-Wurtz vor. Für Albert Krauter
heißt dies: Seine Anlage hat 14 Kilowatt Leistung, ergibt 11 900
Kilowattstunden (kWh) im Jahr. Diese Energie wird ins Stromnetz
eingespeist. Albert Krauter tat gut daran, seine Anlage noch dieses
Jahr in Betrieb zu nehmen. Er hat 99 Pfennige je kWh für die nächsten
20 Jahre sicher. Wer ab 2002 baut, bekommt laut Gesetz fünf Prozent
weniger vergütet.
Natürlich stellen sich die Landwirte auch die Frage nach der
Finanzierung. Die Investition ist schließlich kein Pappenstiel, trotz
der günstigeren Preise durch die Sammelbestellung des Bauernverbands.
Krauter hat ein günstiges Darlehen bei der "Kreditanstalt für
Wiederaufbau". "Auf zehn Jahre zahle ich effektiv 1,91 Prozent
Zinsen."
Dieses Darlehen gilt ausschließlich für Photovoltaik-Anlagen. Man muss
aber kein Landwirt sein, um den Kredit zu bekommen. Die günstigen
Zinssätze gelten generell für Solaranlagen von Privatpersonen sowie
kleineren bis mittleren Unternehmen und freiberuflich Tätigen.
Ob Krauters Beispiel Schule macht, bleibt abzuwarten. Diese Woche sind
schon zwei Bauern aus Ingersheim vorbeigekommen, um die Solaranlage
auf seinem Dach zu inspizieren.
Bild: Heinrich Blasenbrei-Wurtz (l.) hat mit seinen Praktikanten Malte
Gerke und Simon Hafner eine Solaranlage bei Albert Krauter (r.)
installiert. Foto: Wittmer