Teufel zuversichtlich über Wiederanfahren
dpa, 11.12.01
> Philippsburg II
> Teufel zuversichtlich über Wiederanfahren
Stuttgart/Philippsburg, Kreis Karlsruhe - Ministerpräsident Erwin Teufel
(CDU) geht von einem baldigen Wiederanfahren von Block II des
Atomkraftwerkes Philippsburg aus.
Die vorläufigen Prüfungen hätten bislang keine Beanstandungen ergeben,
teilte Teufel am Dienstag in Stuttgart mit. Der Block werde aber erst
wieder ans Netz gehen, wenn alle Prüfungen abgeschlossen seien. Die
oppositionellen Grünen machten darauf aufmerksam, dass nach wie vor nicht
alle Berichte des Atomkraftwerk-Betreibers, der Energie Baden-
Württemberg (EnBW), vorlägen.
Die hatte angekündigt, dass der wegen Sicherheitsmängeln abgeschaltete
Block II am nächsten Montag (17. Dezember) wieder hochgefahren werden
soll. Die EnBW hatte den Reaktor am 8. Oktober auf Drängen von
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) wegen Pannen
im Notkühlsystem stillgelegt.
Nach Mitteilung des Landesumweltministeriums muss die EnBW in dieser Woche
jedoch noch "eine ganze Reihe von Arbeiten" erledigen, um die Voraussetzungen
zum Wiederanfahren des Reaktors zu schaffen. Zwar habe die EnBW schon eine
"Vielzahl von Maßnahmen" ergriffen. Die letzte Entscheidung über eine Zustimmung
des Ministeriums falle jedoch erst am Freitag bei einem Gespräch zwischen Atomaufsicht,
EnBW und mehreren Gutachtern. Zu den Gutachtern zählten laut EnBW die Gesellschaft
für Reaktorsicherheit und der TÜV Rheinland.
Zum Wiederanfahren des Reaktors benötigt die EnBW nach Auskunft des Umweltministeriums
keine förmliche Genehmigung der Atomaufsicht. Diese kann den Betrieb des Kraftwerks
allerdings durch eine atomrechtliche Stilllegungsverfügung stoppen, wenn sie meint,
dass von dem Atomkraftwerk eine Gefahr ausgeht.
Die Grünen monierten, dass insbesondere noch die ergänzenden Unterlagen zu den
Berichten in denen der Betreiber seine Ergebnisse zu den Ursachen der meldepflichtigen
Ereignisse dargestellt hat, fehlten. Dies gehe aus einer Stellungnahme der Landesregierung
auf einen Antrag der Grünen zu Philippsburg hervor, sagte der energie- und wirtschaftspolitische
Sprecher der Grünen, Walter Witzel.
Witzel verwies ferner auf die vom Wirtschaftsministerium angekündigte Überprüfung
hinsichtlich des möglichen Entzugs der Betriebsgenehmigung: "Wir hoffen, dass die
Ankündigung Walter Dörings in einer so ernsten Angelegenheit wie der Sicherheit von
Atomkraftwerken nicht unter den sattsam bekannten Dampfplaudereien des
Wirtschaftsministers abgebucht werden muss".
Wirtschaftsminister Döring (FDP) hatte Ende November die Bildung einer Arbeitsgruppe
angekündigt. Diese solle alle Unterlagen sichten, die für die Sicherheit in den Atomkraftwerken
relevant seien. Beim Umweltministerium und bei der EnBW seien entsprechende Akten
angefordert worden.
In Baden-Württemberg war vor allem im Atomkraftwerk Philippsburg seit
August mehrfach gegen Sicherheitsregeln verstoßen worden. Auch Block I
des Atommeilers 25 Kilometer nördlich von Karlsruhe war nach der
Reparatur an einem Rückschlagventil kurzfristig vom Netz. Verstöße gegen
die Sicherheitsvorschriften gab es aber auch in den Atomkraftwerken
Neckarwestheim und Obrigheim.
Wegen der Pannenserie war Umweltminister Ulrich Müller (CDU) wiederholt
in die Kritik geraten. SPD und Grüne fordern seinen Rücktritt. Das
Umweltministerium ist als Atomaufsicht im Land für die Kontrolle der
Sicherheit in den Reaktoren zuständig. Die Betriebsgenehmigung wird
jedoch vom Wirtschaftsministerium erteilt.