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SWP: Aus Russland in deutsche Reaktoren



Südwestpresse, 05.12.01

energie / Ein internationales Uran-Geschäft mit lauter Gewinnern

> Aus Russland in deutsche Reaktoren

Im Kernkraftwerk Gundremmingen werden von März an Brennelemente aus 
russischer Fertigung eingesetzt. Die Firma MSZ bei Moskau mischt 
aufbereitetes Alturan aus der schwäbischen Provinz mit Uran aus 
Militärbeständen zu kraftwerktauglichem Brennstoff. THOMAS STEIBADLER

moskau· Ein Geschäft, bei dem sich alle als Gewinner fühlen: der 
Kraftwerksbauer und -zulieferer Framatome ANP, die russische Firma 
Mashinostroitelny Zavod (MSZ) sowie die Stromkonzerne RWE und Eon. Ein 
Geschäft mit Uran, dem Brennstoff für Atomkraftwerke: 32 bei MSZ 
gefertigte Brennelemente sind vorige Woche im Kernkraftwerk 
Gundremmingen (Kreis Günzburg) angekommen. Bis zum Jahr 2005 werden 
dort etwa 45 Tonnen Brennstoff aus Russland erwartet.

Lieferant - und Gewinner Nummer eins - ist die Framatome ANP (Advanced 
Nuclear Power) GmbH mit Sitz in Erlangen. Dieses Unternehmen gehört zu 
66 Prozent dem Anfang September gegründeten französischen Konzern 
Areva (Jahresumsatz 10 Milliarden Euro) und zu 34 Prozent der Siemens 
AG (20 Milliarden Euro). Framatome, weitere Standorte sind Paris und 
Lynchburg (USA), beliefert weltweit mehr als 90 Atomkraftwerke mit 
Brennstoff. Zum Sortiment gehören auch Brennelemente, die in den 
riesigen Hallen von MSZ in der Nähe von Moskau hergestellt werden.

Das russische Unternehmen - Gewinner Nummer zwei - stellt seit den 
50er Jahren Kernbrennstoffe nicht nur für Atomkraftwerke her. Seit 
1995 werden MSZ-Brennelemente in Obrigheim eingesetzt und seit diesem 
Frühjahr in Neckarwestheim. Weitere westeuropäische Abnehmer sind 
Kernkraftwerke in der Schweiz und in Schweden. Diese Framatome-
Aufträge seien ¸¸eines der rentabelsten Projekte für MSZ'', stellt der 
Leitende Direktor, Vladimir Razin, fest.

MSZ, 1917 gegründet, gehört zu 75 Prozent der staatlichen Holding Tvel 
und hat daher Zugang zu den Uranbeständen des russischen Militärs. 
Diesen Wettbewerbsvorteil hat das Unternehmen genutzt, um mit 
Framatome ins Geschäft zu kommen. Bei MSZ in der Stadt Elektrostal, 
etwa 50 Kilometer nordöstlich von Moskau, wird russisches mittel- bis 
hochangereichertes Uran mit solchem aus der französischen 
Aufbereitungsanlage La Hague gemischt. 1000 Tonnen Uran werden dort 
jedes Jahr in Tablettenform gepresst und in Brennstäbe gefüllt. Die 
Brennelement-Fertigung trägt nach den Worten von Direktor Razin zu 95 
Prozent zum Jahresumsatz von fünf Milliarden Rubel (385 Millionen 
Mark/197 Millionen Euro) bei. Produktion und Geschäft sollen um etwa 
50 Prozent ausgebaut werden. Razin lässt keinen Zweifel daran, dass 
die russische Nuklearindustrie auf Expansionskurs ist und die 
Lieferungen für Framatome als ¸¸Portal zum Weltmarkt'' dienen.

Kunden von Framatome sind Stromkonzerne wie RWE und Eon. Die Nummern 
eins und zwei des deutschen Strommarkts (Jahresumsatz 63 Milliarden 
beziehungsweise 13 Milliarden Euro) sind Gewinner Nummer drei im 
Geschäft mit Brennelementen. Aus dem Kernkraftwerk Gundremmingen, das 
den beiden Konzernen gehört, lagerten etwa 350 Tonnen aufbereitetes 
Alturan in La Hague. Dafür musste an die Fabrik, wie Framatome unter 
dem Areva-Konzerndach angesiedelt, Lagergebühr gezahlt werden. Dieses 
Geld sparten sich RWE und Eon durch den Transport zu MSZ. Ebenso 
fallen die Kosten für die klassische Anreicherung weg.

Gebremste Freude

Vor Freude über den guten Handel mit den Russen hatten die Energie- 
und Brennstoff-Manager vergessen, nach der genauen Herkunft des MSZ-
Urans zu fragen. Die Angabe ¸¸militärische Bestände'' genügt einem 
Framatome-Mann, um festzustellen, das Geschäft ¸¸leistet auch einen 
Beitrag zur Abrüstung''. Eine Aussage, die Vladimir Razin einschränkt: 
MSZ habe noch nie Waffenuran zu Kraftwerksbrennstoff verarbeitet. In 
Elektrostal werde Uran aus U-Booten und Eisbrechern verarbeitet.