StZ: Weiter offene Fragen in Gemmrigheim
Stuttgarter Zeitung, 20.11.01
> Weiter offene Fragen in Gemmrigheim
GEMMRIGHEIM. Die Gemeinde Gemmrigheim im Kreis Ludwigsburg muss
überlegen, wie es in Sachen Zwischenlager weitergehen soll. Sucht die
Kommune den Weg in die jüngst versagte Revision? Oder akzeptiert sie
das Gerichtsurteil und "wahrt das Gesicht"?
Von Verena Mayer
Die Gemmrigheimer Bürgermeisterin Monika Tummescheit weiß schon jetzt,
was ihr lieber ist. Wenn es nach ihr ginge, wäre nun Schluss mit dem
baurechtlichen Streit über das unterirdische Zwischenlager, das das
Kernkraftwerk Neckarwestheim (GKN) auf der Gemmrigheimer Gemarkung
bauen will.
"Es reicht jetzt", sagt die Verwaltungschefin und denkt vermutlich mit
Grausen an die Kosten von 200 000 Mark, die der Gemeinde wegen des
juristischen Hickhacks in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind.
Und sie fügt hinzu, dass es jetzt noch möglich wäre, ohne
Gesichtsverlust aus der Sache hinauszugehen.
In der vergangenen Woche hatte der Mannheimer Verwaltungsgerichtshof
die Veränderungssperre, mit der die Kommune das GKN-Zwischenlager
verhindern wollte, für nichtig erklärt und die Revision nicht
zugelassen. Möglich wäre es aber, erklärt Till Bannasch, der Anwalt
der Gemeinde, eine Nichtzulassungsbeschwerde einzulegen, um doch noch
in die Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht zu kommen. Und das
Recht der Gemeinde, mit der Nachbarkommune Neckarwestheim einen
habhafteren Bebauungsplan auszuarbeiten, bleibe ihr unbenommen.
Das weitere Vorgehen will Monika Tummescheit mit ihren Gemeinderäten
abstecken. Das GKN seinerseits wartet nun auf die ausstehende
Baugenehmigung des Landratsamts und hofft, dass die 150 Castor-
Behälter vom Jahr 2005 an unterirdisch gelagert werden können.
Außerdem hat das Kernkraftwerk angekündigt, dass es mit Gemmrigheim
auch nach dem Urteil partnerschaftlich zusammenarbeiten wolle.