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StZ: Neue Zwischenfälle im AKW Philippsburg



Stuttgarter Zeitung, 16.11.01

> Atomkraft
> Neue Zwischenfälle im AKW Philippsburg
 
Probleme mit Pumpen - Energie Baden-Württemberg (EnBW) bestellt drei 
Nuklear-Beauftragte
 
Stuttgart/Karlsruhe - Im Atomkraftwerk Philippsburg ist es zu weiteren 
Zwischenfällen gekommen. Dies bestätigte am Donnerstag das 
Umweltministerium in Stuttgart. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) 
als Betreiberin habe den Austritt von kontaminiertem Wasser in Block I 
in die Kategorie N (normal) eingestuft. Nun untersuche die hausinterne 
Clearing-Stelle die Panne und deren Einstufung. 

Umweltminister Ulrich Müller (CDU) sprach im Landtag von zwei weiteren 
möglichen meldepflichtigen Ereignissen im abgeschalteten Block II des 
Kraftwerks. Hierbei handele es sich um Probleme mit Pumpen. Die EnBW 
kündigte an, alle von ihr betriebenen Atomkernkraftwerke von drei 
"nuklearen Sonderbeauftragten" prüfen zu lassen. 

SPD und Grüne warfen Müller bei der Landtagsdebatte vor, sein Haus 
nicht im Griff zu haben. Der SPD-Abgeordnete Thomas Knapp sagte, der 
"jämmerlicher Umgang" mit den Atompannen beschädige den Ruf des Landes 
für Hochtechnologie. Beim Rückzug des als Sachverständigen 
vorgesehenen Atomexperten Serge Prêtre sei Müller tatenlos geblieben. 
Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Dieter Salomon, forderte erneut 
den Rücktritt Müllers. Die Opposition bemängelte, dass sich Müller 
nicht der politischen Debatte stelle. 

Das Umweltministerium in Stuttgart sagte zu dem neuen Fall, in einem 
Raum im Atomkraftwerk Philippsburg I sei nach einem Spülvorgang 
kontaminiertes Wasser ausgetreten. Der Vorgang sei "in den letzten 
Tagen bei einem Kontr
ollgang festgestellt worden". Zu dem Zeitpunkt sei die Wasserpfütze 
bereits getrocknet gewesen. 

EnBW-Chef Gerhard Goll kündigte unterdessen in Karlsruhe an, zwei 
Schweizer und ein Schwede sollten als "nukleare Sonderbeauftragte" die 
Kernkraftwerke Philippsburg, Obrigheim und Neckarwestheim unter die 
Lupe nehmen. Das Dreier-Team werde "alle sicherheitsrelevanten 
Vorgänge in den Kernenergie-Anlagen der EnBW untersuchen und 
Konsequenzen für das künftige Handeln aufzeigen", sagte Goll. Zur 
Überprüfung der Sicherheit in Philippsburg forderte Goll zusätzliche 
Hilfe durch ein Expertenteam der Internationalen Atomenergie- 
Organisation (IAEO) aus Wien an. 

Der Atomkraftwerksbetreiber war nach einer Serie von Pannen in seinen 
Anlagen unter Beschuss geraten. Im Oktober waren teilweise erhebliche 
Sicherheitspannen in Philippsburg, Neckarwestheim und Obrigheim 
bekannt geworden. So war das Notkühlsystem im Block II in Philippsburg 
fast 17 Jahre lang nicht korrekt befüllt worden. Block II wurde am 8. 
Oktober abgeschaltet. Wenig räumte die EnBW ein, dass auch in 
Neckarwestheim und in Obrigheim Sicherheitsvorschriften mehrfach 
missachtet worden waren. Erste Konsequenz aus der Pannenserie zog die 
EnBW mit der Entlassung führender Mitarbeiter.