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Pf.Ztg: "Ruf des Landes beschädigt"



Pforzheimer Zeitung, 16.10.01

> "Ruf des Landes beschädigt" 

Neue Zwischenfälle in Atomkraftwerk Philippsburg Opposition: 
Umweltminister hat sein Haus nicht im Griff STUTTGART/KARLSRUHE. Im 
Atomkraftwerk Philippsburg ist es zu weiteren Zwischenfällen gekommen. 

Dies bestätigte gestern das Umweltministerium. Dabei handelt es sich 
um Unregelmäßigkeiten mit Pumpen. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) 
als Betreiberin habe den Austritt von kontaminiertem Wasser in Block I 
in die Kategorie N (normal) eingestuft. Nun untersuche die hausinterne 
Clearing-Stelle die Panne und deren Einstufung.

Umweltminister Ulrich Müller (CDU) sprach im Landtag von zwei weiteren 
möglichen meldepflichtigen Ereignissen im abgeschalteten Block II des 
Kraftwerks. Hierbei handele es sich um Probleme mit Pumpen. Die EnBW 
kündigte an, alle von ihr betriebenen Atomkraftwerke von drei 
"nuklearen Sonderbeauftragten" prüfen zu lassen.

SPD: Müller tatenlos 

SPD und Grüne warfen Müller bei der Landtagsdebatte vor, sein Haus 
nicht im Griff zu haben. Der SPD-Abgeordnete Thomas Knapp (Enzkreis) 
sagte, der "jämmerlicher Umgang" mit den Atompannen beschädige den Ruf 
des Landes als Standort für Hochtechnologie. Beim Rückzug des als 
Sachverständigen vorgesehenen Atomexperten Serge Pr¬tre sei Müller 
tatenlos geblieben. "Für Sie wurde gehandelt", sagte Knapp. Grünen-
Fraktionschef Dieter Salomon forderte erneut den Rücktritt Müllers. 
Die Opposition bemängelte, dass sich Müller nicht der politischen 
Debatte stelle. Dem hielt der Minister entgegen, er widme sich den 
wirklich wichtigen Probleme und sei um Aufklärung der 
Sicherheitspannen bemüht. 

Das Umweltministerium in Stuttgart sagte zu dem neuen Fall, in einem 
Raum im Atomkraftwerk Philippsburg I sei nach einem Spülvorgang 
kontaminiertes Wasser ausgetreten. Der Vorgang sei "in den letzten 
Tagen bei einem Kontrollgang festgestellt worden". Zu dem Zeitpunkt 
sei die Wasserpfütze bereits getrocknet gewesen.

EnBW setzt Prüferteam ein

EnBW-Chef Gerhard Goll kündigte unterdessen in Karlsruhe an, zwei 
Schweizer und ein Schwede sollten als "nukleare Sonderbeauftragte" die 
Kernkraftwerke Philippsburg, Obrigheim und Neckarwestheim unter die 
Lupe nehmen. Das Dreier-Team werde "alle sicherheitsrelevanten 
Vorgänge in den Kernenergie-Anlagen der EnBW untersuchen und 
Konsequenzen für das künftige Handeln aufzeigen", sagte Goll. Zur 
Überprüfung der Sicherheit in Philippsburg forderte Goll zusätzliche 
Hilfe durch ein Expertenteam der Internationalen Atomenergie-
Organisation (IAEO) aus Wien an.

Der AKW-Betreiber war nach eine Pannenserie in seinen Anlagen unter 
Beschuss geraten. Im Oktober waren teilweise erhebliche 
Sicherheitspannen in Philippsburg, Neckarwestheim und Obrigheim 
bekannt geworden. So war das Notkühlsystem im Block II in Philippsburg 
fast 17 Jahre lang nicht korrekt befüllt worden. Block II wurde am 8. 
Oktober abgeschaltet.lsw