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StN: Gemmrigheim fürchtet das "heimliche Endlager''



Stuttgarter Nachrichten, 15.11.01

> Gemmrigheim fürchtet das "heimliche Endlager'' 

Mannheim - Die Gemeinde Gemmrigheim will kein Zwischenlager für 
abgebrannte Brennstäbe in der Nachbarschaft dulden. Das Kernkraftwerk 
Neckar (GKN) hat deshalb den Verwaltungsgerichtshof bemüht. Eine 
Entscheidung wird am Freitag erwartet

VON ULRICH WILLENBERG

Block zwei des Gemeinschaftskernkraftwerks soll im Jahre 2021 
abgeschaltet werden. Damit fällt für Gemmrigheim (Kreis Ludwigsburg) 
der wichtigste Steuerzahler weg. Rechtsanwalt Hansjörg Wurster spricht 
vom "Ruin der Gemeinde''. Deshalb machen sich die Gemmrigheimer 
Kommunalpolitiker über die künftige Nutzung des Geländes schon jetzt 
Gedanken.

Gedacht ist an ein Technologiezentrum, um alternative Arbeitsplätze zu 
schaffen. Die Absicht der Betreiber vom GKN, ab 2005 ein Zwischenlager 
für atomare Brennstäbe einzurichten, könnte dies jedoch zunichte 
machen. 151 Castoren sollen dort bis zu vier Jahrzehnte lang in 
unterirdischen Stollen gebunkert werden. Ein Endlager ist nicht in 
Sicht, und so befürchten die Gemmrigheimer, dauerhaft auf dem Atommüll 
sitzen zu bleiben. Bürgermeisterin Monika Tummescheit sprach gestern 
von einem "heimlichen Endlager''. Neue Betriebe anzusiedeln werde 
deshalb unmöglich. "Die Deponie blockiert künftige Nutzungen'', 
fürchtet auch ihr Rechtsanwalt Till Bannasch. Hinzu kommt, dass die 
Kommune im engen Neckartal über keine weiteren Gewerbeflächen mehr 
verfügt.

Um die Pläne zu verhindern, griff der Gemeinderat zu einem Trick. Er 
beschloss Anfang 2000 neben dem Bebauungsplan auch eine so genannte 
Veränderungssperre für das Gelände. Damit wäre das Zwischenlager 
vorerst abgewendet. Allerdings muss Gemmrigheim innerhalb von drei 
Jahren ein alternatives Konzept für die Nutzung in der Zeit nach dem 
Abbau des Kraftwerks vorlegen. Denn eine reine "Negativplanung'' lässt 
das Baurecht nicht zu.

Doch Planungen in die ferne Zukunft sind schwierig. Nach dem 
Abschalten von GKN II dürften nochmals 30 Jahre vergehen, bis die 
Anlage beseitigt ist. Eine Prognose der Gemeinde, wie das Gelände ab 
2050 zu nutzen ist, hält GKN-Rechtsanwalt Dolde jedoch für unmöglich. 
"Ein Bebauungsplan darf keine Feststellungen über zehn Jahre hinaus 
treffen.''

"Wir sind schon heute in der Lage, langfristig zu prognostizieren'', 
glaubt indes Rechtsanwalt Bannasch, der die Interessen Gemmrigheims 
vertritt. Im Übrigen würden für den Abriss des Kraftwerkes nicht mehr 
als zehn Jahre benötigt. Das Gelände könne daher bereits im Jahre 2030 
genutzt werden.