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SWP: Atomkraft / Staatsanwaltschaft ermittelt



Südwestpresse, 08.11.01

> Atomkraft / Staatsanwaltschaft ermittelt
> Obrigheim ist jetzt auch im Visier

Der Streit um die Atompolitik in Baden-Württemberg reißt nicht ab. In 
allen drei Meilern im Land wurde gegen Vorschriften verstoßen - überall 
laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaften. Stuttgart· Nach 
Philippsburg und Neckarwestheim ist jetzt auch Obrigheim ins Visier der 
Ermittler geraten. Damit laufen jetzt gegen alle drei Atomkraftwerke im 
Land Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft Mosbach, 
zuständig für Obrigheim, bestätigte, dass ¸¸Vorermittlungen'' wegen 
Regelverstößen angestellt würden. Behördenchef Peter Johe sagte, das 
könne einige Wochen dauern, weil erst umfangreiche Unterlagen gesichtet 
werden müssten.

Für den 15. November hat die SPD-Fraktion eine Aktuelle Stunde zur 
Atompolitik im Landtag beantragt. Darin wird es auch um die in die Kritik 
geratene Internationale Länderkommission Kerntechnik (ILK) gehen, die 
Baden-Württemberg, Bayern und Hessen 1999 ins Leben gerufen hatten. Die 
Fraktionen der SPD und der Grünen fordern die Landesregierung auf, sofort 
aus der ILK auszusteigen.

Die ILK koste das Land jährlich eine Million Mark (511000 Euro), sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Drexler, und dieses ¸¸atomhörige Gremium'' habe sich zu den Zwischenfällen in baden-württembergischen Atomkraftwerk
en nicht einmal geäußert. ¸¸Die Atomlobbyisten zogen es, vor zu schweigen, weil es offenbar ihre wichtigste Aufgabe ist, atomfreundliche Propaganda zu betreiben, nicht aber, die Sicherheit der Anlagen sowie das Funktionie
ren der Atomaufsicht zu gewährleisten.''

Das Umweltministerium ließ gestern verlauten, dass es für einen Ausstieg Baden-Württembergs aus der ILK keinen Grund gebe. An der Qualifikation der hochrangigen Experten bestehe in der Fachwelt kein Zweifel. Anfang 2002, 
werde das Gremium darüber beraten, welche Schlüsse aus den Pannen im Land 
für alle deutschen Atommeiler gezogen werden müssen.

In der Aktuellen Stunde wird nach dem Willen der SPD auch über Sinn oder 
Unsinn der Berufung des ILK-Vorsitzenden Serge Prêtre zum Leiter der 
externen Expertengruppe, die die Atomaufsicht Baden-Württemberg 
überprüfen soll, diskutiert. Gegen den Schweizer Atomwissenschaftler regt 
sich heftiger Widerstand, seit seine verharmlosenden Äußerungen über die 
Reaktorkatastrophe von Tschernobyl bekannt geworden sind. Prêtre selbst 
sagt, seine Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen und provokativ 
aneinander gereiht worden. lsw