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StN: Atomstollen wird größer als unbedingt nötig



Stuttgarter Nachrichten, 08.11.01

> Atomstollen wird größer als unbedingt nötig

Kraftwerk will ein Drittel mehr Castor-Behälter im Zwischenlager 
unterbringen Heilbronn - Im unterirdischen Zwischenlager beim KKW 
Neckarwestheim soll weit mehr Strahlenmüll gelagert werden können als 
nötig. Das wurde beim in der Stauwehrhalle im Heilbronner Stadtteil 
Horkheim stattfindenden Erörterungstermin für den umstrittenen 
Atomstollen bekannt.

VON SASCHA SCHMIERER

Die Kraftwerksbetreiber planen, in den beiden 18 Meter hohen Tunnelröhren 
auf dem Kraftwerksgelände am Neckarufer bis zu 151 Castor-Behälter 
aufzubewahren. Die Baukosten für den Abfallbunker, in dem der 
Strahlenmüll bis zu 40 Jahre lang gelagert werden könnte, werden auf 65 
Millionen Mark (33 Millionen Euro) geschätzt. Bei den Atomkraftgegnern - 
die insgesamt 3488 Einwendungen gegen den Bau des Zwischenlagers werden 
derzeit in Heilbronn erörtert - wächst nun der Verdacht, dass die 
Kraftwerksbetreiber auch Geld mit dem Stollen verdienen wollen. Klaus 
Möhle, stellvertretender Bürgermeister der Standortgemeinde 
Neckarwestheim, hielt es in einer Stellungnahme für denkbar, dass in den 
Tunnelröhren nicht nur der beim Betrieb des Meilers anfallende 
Strahlenmüll gelagert wird, sondern die Atomstromer ihre Lagerkapazität 
auch für radioaktives Material aus der Wiedaufarbeitung anbieten. Zudem 
ist Block II in Neckarwestheim das jüngste bundesdeutsche Kernkraftwerk - 
eventuell ein Faustpfand im Poker um Restlaufzeiten.

Die Diskrepanz zwischen benötigter und beantragter Lagerfläche ist auch 
dem Bundesamt für Strahlenschutz aufgefallen. Die Genehmigungsbehörde hat 
einen Bedarf von 119 Castor-Behältern für Neckarwestheim errechnet. 1086 
Tonnen müssten nach Angaben von Bruno Thomauske, Physiker in Diensten der 
Behörde, reichen. Beantragt hingegen hat das Kraftwerk eine Genehmigung 
für 1600 Tonnen - was umgerechnet 151 Castor-Behältern entspricht. 
Ursprünglich plante Werner Zaiss, Technikchef des Kernkraftwerks, gar 
einen Lagerplatz für 169 Strahlenmüll-Behälter.

Gemmrigheims Bürgermeisterin Monika Tummescheit forderte beim 
Erörterungstermin, die Atomtransporte in die Zwischenlager in Ahaus und 
Gorleben wieder aufzunehmen und die Erkundung des für ein Endlager 
vorgesehenen Salzstocks in Gorleben fortzuführen. Der Antrag von 
Atomkraftgegnern, Thomauske wegen Befangenheit die Leitung der 
Versammlung aus den Händen zu nehmen, wurde vom Bundesamt inzwischen als 
unhaltbar zurückgewiesen.