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StZ: Messlatte für Atomlager höher gelegt



Stuttgarter Zeitung, 07.11.01

> Messlatte für Atomlager höher gelegt
> Anhörung zum Zwischenlager in Neckarwestheim beginnt - Schärfere 
Kriterien seit September
 
HEILBRONN. Seit gestern prallen die Meinungen in Neckarwestheim 
aufeinander: Planer und Gegner eines atomaren Zwischenlagers sind zur 
offiziellen Anhörung aufgerufen. Inzwischen liegen die 
Sicherheitsanforderungen für Kernkraftwerksbetreiber höher.

Von Wieland Schmid

Die Prozeduren sind die gleichen wie seit Jahren. Vor der Stauwehrhalle 
in Heilbronn-Horkheim bestätigen zwei Dutzend Atomkraftgegner auf 
Plakaten, dass sie weiterhin "der Atomlobby die Zähne zeigen" wollen. In 
der Halle tragen überprüfte Einwender ihre Argumente gegen das geplante 
Zwischenlager im Gemeinschaftskernkraftwerk Neckarwestheim (GKN) vor. 
Aber das vorletzte von insgesamt 16 Anhörungsverfahren in ganz 
Deutschland unterscheidet sich doch ein wenig von den anderen. "Das 
Bundesamt für Strahlenschutz fordert jetzt einen erhöhten Schutz", sagt 
Bruno Thomauske, Leiter aller Genehmigungsverfahren.

151 Castoren mit abgebrannten Brennelementen will das GKN in zwei 
unterirdischen Tunnels lagern, wenn das Atomgesetz im Jahr 2005 keine 
Transporte zur Wiederaufarbeitung nach Sellafield oder La Hague mehr 
zulässt. Bürgerinitiativen und Gemeinden rund um das GKN sind jedoch fest 
entschlossen, das 65 Millionen Mark teure Projekt zu verhindern. Sie 
untermauern ihre fachlichen Argumente gegen das Zwischenlager mit 3400 
Unterschriften und bleiben dabei: "Man kann nicht atomaren Müll 
produzieren und Zwischenlager bauen, ohne zu wissen, wo endgültig der 
Müll bleiben soll." Außerdem haben sie beim Mannheimer 
Verwaltungsgerichtshof Klagen gegen bereits genehmigte oberirdische 
Castor-Interimslager in Neckarwestheim und Philippsburg eingereicht.

Ob sie damit Erfolg haben werden, ist fraglich. Aber auch im Bundesamt 
für Strahlenschutz gelten inzwischen schärfere Maß- stäbe, wie der 
Physikprofessor Thomauske einräumt. Nach seinen Angaben hat das Bundesamt 
nach den Terroranschlägen in New York eine Arbeitsgruppe eingerichtet, 
die nächstes Jahr neue Kriterien für atomare Lagerstätten vorlegen soll.

Kernkraftwerksbetreiber müssen zumindest in den laufenden 
Genehmigungsverfahren nachweisen, dass ihre Lager auch dem Absturz von 
Verkehrsflugzeugen mit riesigen Kerosinmengen im Tank standhalten können. 
"Die Ergebnisse werden in die Genehmigung einfließen", versichert der 
Anhörungsleiter Thomauske. Außerdem werden die Laufzeiten für alle 
Standort-Zwischenlager jetzt verbindlich auf 40 Jahre beschränkt. Zuvor 
waren sie unbefristet.

Das geplante Atommüll-Zwischenlager hat jedoch gute Chancen, ohne große 
Abstriche genehmigt zu werden. Andere Kernkraftwerke wollen oberirdische 
Hallen bauen. Die Neckarwestheimer Stollen dagegen sind "einzigartig" in 
der Republik, wie Thomauske betont haben will: "Die sind besonders gut 
geschützt gegen Flugzeugabstürze."