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HN-St.: Kritik an Atomlager-Plänen



Heilbronner Stimme, 07.11.01

> Kritik an Atomlager-Plänen
> Zu viele Castor-Plätze? 

Die zwei unter dem GKN-Verwaltungsgebäude geplanten Atommüll-Tunnels 
gelten zwar als sicherer als die bei anderen Kernkraftwerken in 
Deutschland geplanten Castor-Lagerhallen. Die Zahl der - zum Teil beim 
Erörterungstermin in Horkheim vorgetragenen - Vorbehalte gegen das 
Zwischenlager in Gemmrigheim ist dennoch groß. 

Bedenken gibt es unter anderem wegen der geologischen Struktur  des GKN-
Geländes. Laut Dr. Hermann Behmel liegt 30 Meter unter der Oberfläche ein 
über 230 Kubikmeter großer Hohlraum. 

Zudem werde das lösliche Gipsgestein immer stärker unterspült - auch weil 
der Steinbruch, auf dem das Areal liegt, bis unter das Neckar-Niveau 
abgebaut worden war. 

Einbrüche seien nicht ausgeschlossen. Das Fazit des Stuttgarter Diplom-
Geologen: "Der Standort ist von Grund auf unsicher." 

Die technische Überwachung  sieht die Diplom-Physikerin Karin Wurzbacher 
nicht kontinuierlich gewährleistet. 

Da es nur ein Sicherheitssystem für die Behälter gebe, seien Defekte des 
Systems oder in nicht angeschlossenen Bauteilen nicht erkennbar. 

Die Mitarbeiterin des Umweltinstituts München fordert Messungen der 
Radioaktivität in der Tunnel-Luft. 

Die Wärmeabfuhr  gibt ebenfalls Anlass zu Kritik. 

Um 30 Grad würde sich die Luft trotz eines Belüftungssystems in Castor-
Hallen erhitzen - die von den Betreibern angegebene gleiche Erhitzung in 
den GKN-Tunnels ohne künstliche Belüftung bezweifelt Karin Wurzbacher. 

Ebenso wie die Angabe, dass die Castor-Behälter 40 Jahre lang dicht 
bleiben. 

Entbrannt ist die Diskussion über die Sicherheit bei Terror-Angriffen . 
Seit den Anschlägen in den USA sind nicht nur die Wucht des Aufschlags 
der Turbine einer Verkehrsmaschine ein Thema, sondern auch die Kerosin-
Mengen, die im Falle eines Angriffs verbrennen. 

Bislang wurde mit Unfällen von Militärmaschinen gerechnet, die etwa 5000 
Liter an Bord haben. Verkehrsflugzeuge können bis zu 325 000 Liter 
fassen. 

Diesen Fragen geht auch das BfS nach.

Nicht nur Zwischenlager-Gegner, sondern auch das BfS zweifeln, ob die 
Dimension  des Zwischenlagers nicht zu groß ist. Der Physiker Dr. Bruno 
Thomauske veranschlagt die Zahl der für die Restlaufzeit der Atommeiler 
benötigten Castor-Parkplätze auf 119 statt der beantragten 151 - falls 
nicht weniger Brennelemente als vorgesehen in die Behälter gepackt 
werden. Atomlager-Gegner reden von nur 70. 

Die Frage der Zuständigkeit  ist ebenfalls ein Streit-Thema: ob BfS oder 
Landeswirtschaftsministerium (siehe oben), entscheiden noch die Gerichte.