HN-St.: Wenig Einwender, viele Worte und die Sinnfrage
Heilbronner Stimme, 07.11.01
> Wenig Einwender, viele Worte und die Sinnfrage
> Erster Tag des Erörterungstermins in der Horkheimer Stauwehrhalle zum
geplanten Atomlager auf dem Gelände des GKN
Von Joachim Rüeck
Am Anfang stand die Sinnfrage. Soll die Erörterung zum geplanten atomaren
Zwischenlager auf dem Gelände des Gemeinschaftskernkraftwerks Neckar
(GKN) in der Horkheimer Stauwehrhalle überhaupt stattfinden? Der
Veranstalter, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), war der Meinung:
ja.
" Hier wernse beschissen!" - "Atomanlagen abschalten! " Etwa zwei Dutzend
Demonstranten wollten am ersten Tag des Erörterungstermins "der Atomlobby
die Zähne zeigen".
Waren gestern am Morgen die Plakate vor der Halle in dem Heilbronner
Stadtteil noch unübersehbar, verloren sich später nicht einmal 40 private
Einwender sowie Vertreter von Kommunen und Organisationen in der Halle.
3488 Menschen haben Einwendungen gegen das Standortlager auf
Gemmrigheimer Gemarkung unterzeichnet und damit das Recht, bei der
mehrtägigen Veranstaltung ihre Argumente vorzutragen. Die Zahlen erinnern
an die Erörterung zum inzwischen genehmigten Neckarwestheimer
Interimslager vor einem Jahr.
Damals gab es 4122 Einwender, etwa 120 kamen insgesamt zum dreitägigen
Vor-Ort-Termin. Zum Vergleich: Gegen das Atomlager im bayerischen
Gundremmingen unterschrieben 75 000 Einwender, 700 waren bei sieben
Erörterungstagen.
Zur Beginn der Heilbronner Erörterung schmetterte das BfS Anträge zur
Tagesordnung ab: Bruno Thomauske blieb Verhandlungsleiter, und der
Erörterungstermin wurde weder verschoben noch abgesetzt.
Jörg Schmid vom Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar hatte
Thomauske vorgeworfen, keine vollständige Akteneinsicht gewährt zu haben -
welche nach BfS-Ansicht im Erörterungsverfahren auch nicht gegeben
werden muss.
Ebenfalls keine Zustimmung beim BfS fand die Meinung, die Erörterung
könne erst stattfinden, wenn das Verwaltungsgericht entschieden hat, ob
das Ministerium überhaupt für Standortlager zuständig ist. Die Behörde
zweifelt, dass die Entscheidung schon im Schnellverfahren im Dezember
fällt.
Hintergrund: Je nach Auslegung des Atomgesetzes darf nicht das BfS,
sondern das Landeswirtschaftsministerium über die Lager entscheiden.
Formfragen stellte der Anwalt der Gemeinde Gemmrigheim, Till Bannasch, in
den Vordergrund: Die fehlende Zuständigkeit des BfS und das fehlende
Bedürfnis für das GKN-Lager angesichts vorhandener Kapazitäten in
Gorleben und Ahaus waren seine Hauptargumente.
Ähnliche Punkte trug Claus Möhle, dritter Stellvertreter des
Neckarwestheimer Bürgermeisters, vor. Rathauschef Mario Dürr, der sich im
verbalen Clinch mit dem BfS befindet, ist noch im Urlaub.