StZ: Staatsanwaltschaft Heilbronn ermittelt in Neckarwestheim
Stuttgarter Zeitung, 06.11.01
> Neue Ermittlungen in der Atomaffäre
STUTTGART. Die Affäre um Sicherheitsverstöße in den baden-
württembergischen Kernkraftwerken beschäftigt zusehends die Justiz: Auch
wegen der Vorgänge im Atommeiler Neckarwestheim läuft jetzt, wie bereits
in Philippsburg, ein Ermittlungsverfahren.
Von Andreas Müller
Entsprechende Informationen der Stuttgarter Zeitung hat die
Staatsanwaltschaft Heilbronn gestern bestätigt. "Wir prüfen, ob eine
Straftat vorliegt", sagte ein Behördensprecher. Es gehe um den Verdacht
des unerlaubten Betreibens von Anlagen. Im Falle von Atomanlagen droht
dafür eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe.
Dem Sprecher zufolge hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgrund
von Medienberichten aufgenommen; Anzeigen lägen nicht vor. Gegenstand des
Verfahrens ist ein Sicherheitsverstoß im ersten Block des Kernkraftwerks
Neckarwestheim, den die Energie Baden-Württemberg (EnBW) bei
Untersuchungen nach der Pannenserie von Philippsburg bekannt gegeben
hatte: Während des Anfahrens nach der Revision 1997 sei der
Flüssigkeitsstand im Notkühlsystem um vier Prozent zu niedrig gewesen.
Bisher richteten sich die Ermittlungen gegen Unbekannt, sagte der
Behördensprecher; man habe auch noch keine Unterlagen sichergestellt.
Der Sprecher des Gemeinschaftskernkraftwerks Neckar (GKN) zeigte sich auf
Anfrage überrascht: Man wisse bisher nichts von einem Verfahren.
Gesellschafter des GKN sind die mit der EnBW verflochtenen Neckarwerke
Stuttgart mit 70 Prozent, die Deutsche Bahn AG mit 18,18 Prozent, die
EnBW-Kraftwerkstochter mit 9,09 Prozent und das Zementwerk Laufen mit
2,73 Prozent.
Bereits vor anderthalb Wochen hatte die Staatsanwaltschaft Karlsruhe
Ermittlungen wegen der Pannenserie im Kernkraftwerk Philippsburg
aufgenommen. Auch dabei geht es um das unerlaubte Betreiben von Anlagen.
Ermittelt werde gegen die Verantwortlichen in Philippsburg und bei der
EnBW, sagte ein Behördensprecher. Ergebnisse lägen bisher nicht vor, das
Verfahren werde sich voraussichtlich "noch wochenlang" hinziehen.
Entgegen Medienberichten habe es keine Durchsuchungen gegeben, sondern
die Unterlagen seien freiwillig herausgegeben worden.
06.11.2001, 05:33 Uhr