[älterer Artikel][Neuerer Artikel][Übersicht][

SWP: Tausende Einwände gegen Zwischenlager



Südwestpresse, 05.11.01

> atomkraft / Morgen Erörterungstermin in Neckarwestheim
> Tausende Einwände gegen Zwischenlager

Jeweils mehrere 1000 Einwendungen sind gegen den Bau von Zwischenlagern 
für radioaktive Brennelemente bei den Atomkraftwerken Neckarwestheim und 
Philippsburg eingegangen. Neckarwestheim· Das 25. Jubiläum des 
Gemeinschaftskraftwerks Neckarwestheim (GKN) steht unter keinem guten 
Stern. Morgen sollen die Feierlichkeiten beginnen. Am gleichen Tag wollen 
Kritiker des geplanten Zwischenlagers am GKN in einer Veranstaltung des 
Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) die Einwendungen dagegen erörtern.

3488 Beschwerden liegen vor. Die Debatte um den Schutz der Atomkraftwerke 
gegen Terroranschläge hat sich auf Grund des Erörterungstermins um die 
Bereiche Zwischen- und Interimslager für radioaktive Brennelemente 
erweitert. BfS-Sprecher Volker Schäfer sagte: ¸¸Die 
Atomkraftwerksbetreiber werden ihre Maßnahmen für den sicheren Einschluss 
der Brennelemente und auch für den Schutz vor Einwirkung Dritter sehr 
überzeugend darlegen müssen.'' Vor einigen Wochen hatte BfS-Präsident 
Wolfram König erklärt, die Zwischenlagen könnten möglicherweise nicht wie 
geplant errichtet werden.

In den Atomkraftwerken Neckarwestheim und Philippsburg (Kreis Karlsruhe) 
sind bereits Interimslager genehmigt. Nach dem Erörterungstermin zum 
unterirdischen Zwischenlager in Neckarwestheim gibt es einen weiteren 
Termin in Philippsburg-Huttenheim am 21. November. Hier sind 7800 
Einwendungen gegen das Zwischenlager eingegangen. Die Erörterungstermine 
sind nicht öffentlich. Neben den Einwendern und dem BfS nehmen auch 
Abgesandte der Antragsteller, des Tüv und des Öko-Instituts teil. Ferner 
schicken das Berliner Bundesumweltministerium sowie die Stuttgarter 
Ministerien für Umwelt und für Wirtschaft Vertreter.

Notnagel zum Weiterbetrieb

¸¸Die Atommüllstollen sind der Notnagel, an dem das neue Atomgesetz 
hängt'', sagte der Sprecher des Bundes der Bürgerinitiativen mittlerer 
Neckar, Wolfram Scheffbuch. Die Initiative wendet sich generell gegen die 
Produktion von Atommüll in Neckarwestheim, weil sie erhebliche 
Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung befürchtet. Die 
organisierten Bürger hatten vor dem Verwaltungsgericht Mannheim ein 
Eilverfahren angestrengt, weil ihrer Ansicht nach das BfS gar nicht für 
die Genehmigung des Zwischenlagers in Neckarwestheim zuständig ist. Mit 
einer Entscheidung in diesem Pilotverfahren rechnet Scheffbuch für 
Dezember. Er hält das morgige Erörterungsverfahren deshalb für verfrüht.

Als Reaktion auf die Sicherheitspannen in den drei Kernkraftwerken im 
Land hat Umweltminister Ulrich Müller (CDU) unterdessen angekündigt, dass 
die Überprüfungen der Anlagen verschärft wird. ¸¸Wir müssen mehr tun als 
bisher und die Kontrollpraxis ändern'', sagte Müller. ¸¸Das kann so weit 
gehen, dass wir die Anlagen nicht nur unangemeldet im Normalbetrieb 
prüfen, sondern auch die Schichtleitung beim Anfahren eines Reaktors nach 
der Jahresrevision kontrollieren.''Das Ministerium plant auch eine Reform 
der Meldepflicht. Einen Rücktritt als Minister schloss Müller erneut aus: 
Er habe keinen Fehler begangen, sagte er.lsw