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MaMo: Atomkraftwerk Neckarwestheim wird überprüft



Mannheimer Morgen, 31.10.01

> Atomkraftwerk Neckarwestheim wird überprüft

Neckarwestheim, Kreis Heilbronn. Die Debatte um die Sicherheit der 
Atomkraftwerke in Baden-Württemberg zieht weitere Kreise. Am Dienstag 
wurde bekannt, dass während der neuntägigen Revision in Block II des 
Gemeinschaftskernkraftwerks Neckarwestheim (GKN) vier meldepflichtige 
Ereignisse auftraten. Trotzdem soll der Reaktor wie geplant an diesem 
Mittwoch wieder ans Netz gehen. Das sagte ein Sprecher des GKN am 
Dienstagnachmittag. Das baden-württembergische Umweltministerium als 
zuständige Atomaufsichtsbehörde hatte zuvor mitgeteilt, dass die Vorfälle 
nach einer vorläufigen Einschätzung der Betreiber zur Kategorie N 
(normal) gehörten. Der Reaktor werde nach einer für Dienstagnachmittag 
vorgesehenen Prüfung durch die Aufsichtsbehörde wieder angefahren. Die 
Prüfung werde mehrere Stunden dauern. "Der Reaktor darf erst wieder 
angefahren werden, wenn die Aufsichtsbehörde den ordnungsgemäßen 
Abschluss der Jahresrevision bestätigt hat", sagte die 
Atomaufsichtsbehörde weiter. 

In der neuntägigen Revision hatte das GKN "auf Grund von Befunden aus 
Instandsetzungsmaßnahmen" vier meldepflichtige Vorkommnisse an die 
Aufsichtsbehörde weitergegeben. An Teilen in Frischdampf-Abblase-
Regelventilen wurden Risse festgestellt und am Ventilsitz im Inneren von 
insgesamt vier Ventilen des Zusatzboriersystems ein Materialabtrag. 
Außerdem wurde ein verringerter Isolationswiderstand an 13 Steckern an 
Messstellen zur Erfassung de
r mittleren Kühlmitteltemperatur beobachtet. Eine Entwässerungsarmatur im Frischdampfsystem konnte nicht geschlossen werden. Nach Aussage des GKN wurden alle Fehler mittlerweile behoben. 

Das zuständige Fachreferat im Umweltministerium und die nach den Sicherheitspannen im Atomkraftwerk Philippsburg (Kreis Karlsruhe) neu eingerichtete Clearingstelle haben nach Angaben des Umweltministeriums "unverzüglich m
it der Verifizierung des Sachverhalts begonnen und eine eigenständige, vorläufige Beurteilung vorgenommen". Vorläufig sei man wie der Kernkraftwerksbetreiber Energie Baden-Württemberg (EnBW) zu der Erkenntnis gekommen, da
ss es sich um Vorkommnisse der Kategorie N (normal) handele. "Alle vier Ereignisse sind von geringer sicherheitstechnischer Bedeutung", so das Umweltministerium. 

Bisher war die öffentliche Mitteilung von Meldungen der Kategorie N 
(normal) nicht üblich. Lediglich der Landtag wurde hierüber 
vierteljährlich unterrichtet. Laut Umweltministerium soll die 
Veröffentlichung nun dazu beitragen, die aktuelle Diskussion um den 
Sicherheitsstandard der baden-württembergischen Atomkraftwerke 
transparenter zu machen. dpa