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StN: Atom-Panne: Streit spitzt sich zu



Stuttgarter Nachrichten, 31.10.01

> Atom-Panne: Streit spitzt sich zu

Opposition bezeichnet Umweltminister erneut als Lügner - Kritik an der 
EnBW Stuttgart - Der Streit um die Aufarbeitung der Pannenserie im 
Atomkraftwerk Philippsburg eskaliert. Umweltminister Müller (CDU) und die 
Landtags-Opposition haben sich am Montag gegenseitig der Lüge bezichtigt.

VON FRANK KRAUSE

Umweltminister Müller wehrte sich gegen den Vorwurf, er habe nicht die 
Wahrheit über die Pannenserie gesagt: ¸¸Ich habe alles vollständig und 
zutreffend dargestellt.'' Zugleich bezeichnete er die Fraktionschefs von 
SPD und Grünen, Drexler und Salomon, als ¸¸Verleumder''. Beide Politiker 
blieben aber bei ihrem Vorwurf, wonach das Ministerium bereits am 16. 
Oktober und nicht wie von Müller behauptet erst am 22. Oktober von den 
Mängeln am Notkühlsystem in Philippsburg erfahren habe. ¸¸Er hat 
gelogen'', so Salomon. Müller hatte beide Abgeordnete aufgefordert, diese 
Behauptung bis Montag, 12 Uhr, zurückzunehmen. Beide Landespolitiker 
bezeichneten dieses Ultimatum als einen ¸¸beispiellosen und für das 
Parlament nicht hinnehmbaren Vorgang''. Sie erneuerten ihre Forderung, 
wonach der Umweltminister und sein Atom-Abteilungsleiter Keil abgelöst 
werden müssten.

Wie ein Sprecher von Bundesumweltminister Trittin (Grüne) unserer Zeitung sagte, sind vergleichbare Sicherheitspannen wie in den drei baden-württembergischen Kernkraftwerken (Neckarwestheim, Obrigheim, Philippsburg) bishe
r aus dem übrigen Bundesgebiet nicht bekannt. Trittin hatte alle Atomaufsichtsabteilungen der Länder aufgefordert, die Standards zu überprüfen. An diesem Mittwoch wird sich die Reaktorsicherheitskommission bei einer Sonde
rsitzung in Bonn mit den Vorfällen in Baden-Württemberg befassen.

Mehrere deutsche Kernkraftwerksbetreiber widersprachen derweil am Montag dem Chef der Energie Baden-Württemberg, Gerhard Goll, wonach die Vorgänge in Philippsburg ¸¸kein baden-württembergisches Phänomen'' seien, sondern a
uch in anderen Ländern von Vorschriften abgewichen werde.

Sowohl die HEW (Hamburg) als auch der Energiekonzern Eon betonten, ihre 
Kraftwerke würden gemäß der Betriebshandbücher betrieben. CDU-
Landtagsfraktionschef Oettinger sagte dazu: ¸¸Ich glaube, dass manche 
Sicherheitsvorschrift auf dem Papier steht, die in der Praxis nicht 
weiterhilft.'' (Siehe auch unser Tagesthema ¸¸Verstrichen'' und Seite 3)