reuters: Atomtransport nach Sellafield
Reuters, Dienstag 30. Oktober 2001, 20:14 Uhr
> Atomtransport nach Sellafield weitgehend störungsfrei
Hannover/Wörth (Reuters) - Ein Atommülltransport aus Deutschland zur
britischen Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield ist am Dienstag nur
auf geringen Widerstand von Atomkraftgegnern gestoßen. Die Polizei nahm
in der Nähe des Reaktors Unterweser nördlich von Bremen und bei Oldenburg
nach eigener Angaben 48 Demonstranten vorübergehend in Gewahrsam. Der
Transport der zwei Behälter mit abgebrannten Brennelementen sei kaum
behindert worden. Anschließend rollte der Zug ungehindert zur deutsch-
französischen Grenze in Wörth, die er am Abend nach Angaben des
Grenzschutzes ohne Zwischenfälle überquerte.
Am Atomreaktor Unterweser in der Ortschaft Kleinensiel hatten in der
Nacht zum Dienstag drei Mitglieder der Umweltschutzorganisation
Greenpeace versucht, sich an die Bahnschienen zu ketten. Dies sei aber
rechtzeitig bemerkt worden, sagte ein Polizeisprecher. Bei Oldenburg
hätten 30 Demonstranten kurzzeitig die Bahngleise blockiert. Zwei
Atomkraftgegnern sei es gelungen, auf die Lokomotive zu klettern. Der Zug
habe seine Fahrt deshalb für wenige Minuten unterbrechen müssen, teilte
der Polizeisprecher mit.
Unterdessen forderten Politiker von SPD und Grünen erneut den Stopp des
in zwei Wochen geplanten Castor-Transportes mit Atommüll aus Frankreich
ins Zwischenlager Gorleben. Der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Michael
Müller, begründete dies in einem Interview mit dem Kölner "Express" mit
der verschärften Sicherheitslage nach den Anschlägen vom 11. September.
Die Grünen im niedersächsischen Landtag kündigten für den am 12. November
erwarteten Castor-Transport eine Fraktionssitzung in der Region Gorleben
an.
Das niedersächsischen Innenministerium ging am Dienstag weiterhin davon
aus, dass der Transport stattfindet. Die durch einen Anschlag beschädigte
Bahnbrücke werde vermutlich rechtzeitig wieder repariert sein. Dies habe
die Bahn versichert. Ein Bahn-Sprecher sagte, die Arbeiten dauerten noch
an. Zur Fertigstellung könne offiziell kein Termin genannt werden.
Unbekannte hatten vor einer Woche mit einem Brandanschlag eine
Eisenbahnbrücke gut 30 Kilometer von Gorleben entfernt beschädigt.
Nach den Antiatominitiativen in der Region Gorleben kündigten am Dienstag
auch Castor-Gegner in Südwestdeutschland zahlreiche Aktionen für den am
12. November erwarteten Transport aus Frankreich an. Ziel sei es, den Zug
aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague mit sechs Castor-
Behältern zu blockieren, sagte eine Sprecherin. Der Transport werde in
der Nacht vom 12. auf den 13. November den Grenzübergang Lauterbourg-
Wörth passieren.